Die Identitäre Bewegung und das Christentum

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kritisch denken
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Die Identitäre Bewegung und das Christentum

Beitrag von kritisch denken » Do 18. Apr 2019, 00:48

Seit einiger Zeit versucht sich in Österreich die rechtsextreme "Identitäre Bewegung" breit zu machen. Der Anführer dieser neu-rechten Gruppierung ist Martin Sellner. Oft behaupten solche Gruppen wie die Identären das christliche und aufgeklärte Europa beschützen bzw. verteidigen zu wollen.

Spannend wäre ja zu diskutieren, wie Rechtsextremismus und das Christentum zusammen passt. Das große Feindbild von rechtsextremen, aber speziell der Identitären Bewegung ist ja der Islam. Aber nehmen wir einmal an, dass ein Mitglied der Identitären Bewegung ein Katholik oder generell ein Christ ist. Wäre überhaupt Christsein und Rechtsextremismus vereinbar? Oft sprechen Rechtsextremisten von einem aufgeklärten und christlichen Europa, das angeblich der Islam zerstören soll! Ist nicht das Christentum selbst mit der Aufklärung unvereinbar? Ich sehe da irgendwo einen extremen Widerspruch!
LG kritisch denken

bonito
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Re: Die Identitäre Bewegung und das Christentum

Beitrag von bonito » Do 9. Mai 2019, 08:38

Christentum und Rechtsextremismus passen hervorragend zusammen.

Die Kirchen haben das in jüngere Vergangenheit schon oft bewiesen, man denke nur an Pavelic, Franco, Hitler etc. mit allen hat die Kirche gerne, lange und "erfolgreich" kooperiert.
U.a. wurden Texte von Luther z.B. von den Nazis sehr gerne für die eigene Propaganda benutzt und zitiert.
Aber Luther war natürlich nicht der erste Antisemit, der Judenhass in Europa hat sicher seinen Ursprung in der Judenverfolgung durch die frühe Kirche.
Schon im Neues Testament findet man dafür genügend Munition. Nicht dir Römer waren sort die Bösen, auch wenn die angeblich den Jesus ermordet haben sollen, sonder DER Judas als Personifikation der "perfiden Juden".

Und das ist auch nachvollziehbar! Das Christentum ist quasi eine Sekte, die sich aus dem Judentum gebildet hatte, ergo muss sie sich gegenüber ihrer "Mutterreligion" genauso abgrenzen wie gegen anderen Konkurrenten ("Heidentum").
Ausserdem war dem römischon Kaiser, der das Christentum quasi erst relevant machte, sicher nicht daran gelegen die Juden für weitere Aufstände zu motivieren, ergo war die Juden, quasi die eigentliche Urchristen, auf einmal die neuen Teufel und wurden auch entsprechend verfolgt.

Man fürchtete auch Juden, die zum Christentum konvertiert waren, man vermutete, die wären nur zum Schein gewechselt.
Das war vermutlich auch der Hauptgrund den Sabbath für die Christen auf den Sonntag zu verschieben, da man so jüdische Scheinchristen enttarnen und verfolgen konnte. Da jeder Christen damit eines seine tollen 10 Gebote jede Woche missachtet ist offensichtlich unwichtiger, als Judenhass.

Die Unterscheidung zwischen Antijudaismus (Kirche) und Antisemitismus halte ich eher für einen Etikettenschwindel.
Es läuft in jedem Fall auf das Selbe hinaus.

Grundsätzlich unterscheiden alle aber vor allem die mosaischen Religionen sehr stark zwischen den eigenen Mitgliedern und anderen Menschen.
Daher ist die Nächstenliebe im Alten Testament die Liebe zur eigenen Familen, zu Stammesangehörigen und Glaubensgenossen aber ganz sicher nicht zu Fremden, Andersgläubigen usw. Dafür gibt es Ansätze zu Feindesliebe, aber die wird deutlich von der Nächstenliebe unterschieden.
Und auch im Neuen Testament wird deutlich vor Heiden (=Andergläubige) etc. gewarnt, bzw. diesen übelste Strafen angedroht, ergo auch die Nächstenliebe im Neuen Testament mein erstmal vor allem Christen (also die richtigen natürlich, ergo Katholiken meinen Katholiken, Protestanten meinen Protestanten usw. -> siehe innereuropäische Kreuzzüge).

Beantwortet das die Frage halbwegs?

ps: es gibt auch eine aktive Gruppe von Christen bei der AFD ... riecht ein wenig wie "deutsche Christen", die damals Hitler mit an die Macht brachten.

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