Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

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kritisch denken
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Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von kritisch denken » Sa 19. Jan 2019, 02:51

Mitgliedschaften, das ist genau das, was die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich sucht. Denn, wenn es nach den Plänen der ARG geht, soll ihre Form des Atheismus gleichberechtigt neben anderen Religionen in Österreich, existieren und ALS RELIGION anerkannt sein.

Für dieses Vorhaben suchen sich österreichweit mindestens 300 Mitglieder. Auf der Webseite ist folgendes zu lesen: "Wir freuen uns über jede einzelne ausreichend nachweisbare Mitgliedschaft. 300 derartige Mitgliedschaften sind für unseren Antrag beim Kultusamt nach dem Bekenntnisgemeinschaftengesetz erforderlich."

Laut dem Counter auf http://atheistisch.at haben sich bereits 205 Atheisten und Atheistinnen, die das Vorhaben der Atheistischen Religionsgesellschaft unterstützen. Auf der Webseite ist nämlich zu lesen: "Wir sind schon 205 dieser 300 Atheistinnen und Atheisten."
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bonito
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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von bonito » Do 9. Mai 2019, 08:41

Atheismus ist keine Religion ergo macht "Atheistische Religionsgemeinschaft" in sich keinen Sinn.
Für eine Religion fehlt dem Atheismus der (nicht begründbare) Glaube an etwas, den alle anderen Religionen haben.

kritisch denken
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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von kritisch denken » Fr 10. Mai 2019, 00:15

bonito hat geschrieben:
Do 9. Mai 2019, 08:41
Atheismus ist keine Religion ergo macht "Atheistische Religionsgemeinschaft" in sich keinen Sinn.
Für eine Religion fehlt dem Atheismus der (nicht begründbare) Glaube an etwas, den alle anderen Religionen haben.
Eine atheistische Gemeinschaft kann meiner Meinung nach schon sehr religiöse Züge annehmen, vor allem dann, wenn man den Atheismus verbreiten will oder den Atheismus für die einzig wahre Antwort auf die Frage nach Gott hält. Für mich ist Atheismus auch eine Form von Religion mit eigenen Dogmen, Propheten, usw., wenn man religionwissenschaftliche Kriterien anwendet.

Die Sieben Dimensionen von Ninian Smart kann man irgendwie locker auf die Atheistische Religionsgesellschaft anwenden.

1. Dimension (Erfahrungsdimension): Sie verstehen sich als "wahre" Religion und verspüren Freude an ihrer Religion/ Glauben (=Atheismus).

2. Dimension (Dimension des Mythos): Sie haben ihre eigene Vorstellung von Gottheiten. (siehe Statuten)
In Bezug auf unser physisches Leben sehen wir unser Dasein als vergängliches Ergebnis einer langen Kette evolutionärer Prozesse, welche uns auf vielfältige Weise mit der Welt, die wir beobachten, in Verbindung bringen. Die biologische Evolution ist ein Prozess, der eine Vielzahl an Lebewesen, unter anderem uns als Menschheit, hervorbrachte und -bringt. Sie verbindet uns verwandtschaftlich mit anderen Lebewesen. Die Materie, aus der wir hervorgegangen sind, entwickelte sich wiederum über lange Zeiträume in Kernfusionsprozessen von Sternen, was uns in einem übertragenen Sinne zu Kindern der Sterne macht.

In Bezug auf unser kulturelles Leben sehen wir jeden Menschen als Teil einer langen Generationenfolge. Jede Generation wird in eine bereits bestehende menschliche Kultur hineingeboren, entwickelt ihre eigene Kultur vor diesem Hintergrund (weiter) und legt damit die Grundlage für das, was die nächste Generation vorfindet.

Quelle: Statuten der ARGÖ vom 10. Mai 2019


3. Dimension (Dogmen): Da gibt es auch eine Menge. (siehe ebenfalls Statuten)
... glauben, dass nicht Gottheiten uns Menschen erschaffen haben, sondern dass jeweils Menschen ihre Gottheiten (und deren Geschichten und so weiter) erschaffen haben beziehungsweise erschaffen, sodass alle diese Gottheiten (usw.) letztlich immer (nur) als von Menschen erschaffene Gottheiten (usw.) existieren, ...

Quelle: Statuten der ARGÖ vom 10. Mai 2019


4. Dimension (Ethik): Auch hat die Atheistische Religionsgesellschaft eine ethische Dimension (ebenfalls in den Statuten nachlesbar):
(2) Wir glauben daher, dass nicht Gottheiten uns Menschen unser Ethos gegeben haben, sondern dass unser Ethos jeweils von uns Menschen entwickelt und ausgehandelt wurde beziehungsweise wird.

(3) Wir halten es für erstrebenswert, dazu beizutragen, dass ein gutes Leben für alle Menschen, egal wo und wie sie geboren worden sind, möglich wird. Dabei betrachten wir grundsätzlich jede Form der partnerschaftlichen Liebe und familiären Zusammenlebens, egal ob homo- oder heterosexuell, monogam oder polyamor, mit oder ohne Kinder in Obsorge, als wertvollen Baustein für ein gutes Leben.

Quelle: Statuten der ARGÖ vom 10. Mai 2019
5. Dimension (Rituale): Sie haben sogar Rituale. Sie schreiben regelmäßig Texte zum Thema Atheismus auf ihre Homepage. Sie treffen sich, um sich miteiner aus zu tauschen und sie haben auch öfters diverse Infostände (Mission). Ein Sunday Assembly veranstalten sie aber noch nicht soviel ich weiß. (siehe deren Webseite)

6. Dimension (Soziale Dimension): Sie haben sogar ein eigenes Präsidium, das nicht wählbar ist. Alle Mitglieder müssen den Statuten zustimmen. (siehe ebenfalls Statuten der ARGÖ - §7 der Statuten)

7. Dimension (Materielle Dimension): Als materielle Dimension könnte man eigentlich die Statuten, aber auch die Texte auf deren Webseite sehen. Außerdem hat die ARGÖ ein eigenes Diskussionsforum.

Eigentlich würde die Atheistische Religionsgesellschaft schon alle religionswissenschaftlichen Kriterien für eine Religion erfüllen.

P.S.: Ich bin übrigens kein Mitglied von dieser atheistischen Organisation, aber ich finde es irgendwie köstlich, dass Atheisten ernsthaft versuchen, sich als Religionsgemeinschaft zu organisieren, damit sie vom Staat anerkannt werden und ebenfalls alle Privilegien bekommen. :lol: :lol: :lol:
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bonito
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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von bonito » Fr 10. Mai 2019, 13:09

Mhh den Grund verstehe ich auch.
Dein Hinweis mit den Gottheiten verstehe ich allerdings nicht, Gottheiten sieht obige Gemeinschaft doch deutlich und nur als Hirngespinste der Menschen.

Die Sterne (Dimension des Mythos) sind doch keine Götter!? (anders als in Babylon etc.)

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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von fluffy » So 12. Mai 2019, 19:43

bonito hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 13:09
Mhh den Grund verstehe ich auch.
Dein Hinweis mit den Gottheiten verstehe ich allerdings nicht, Gottheiten sieht obige Gemeinschaft doch deutlich und nur als Hirngespinste der Menschen.

Die Sterne (Dimension des Mythos) sind doch keine Götter!? (anders als in Babylon etc.)
Naja, sie wollen offiziell vom Kultusamt anerkannt werden und dazu brauchen sie hald einen Mythos, Ritus und einen Transzentenzbezug, usw. . Laut Webseite fehlen ihnen noch 77 Mitglieder für die Anerkennung. Es gab schon bereits vor deren Spaltung eine Atheistische Religionsgesellschaft mit über 300 Mitgliedern. Blöd gelaufen, sage ich nur.
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bonito
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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von bonito » Di 14. Mai 2019, 08:34

Dadurch, dass man sich ein Scheinetikett verpasst, wird man noch lange nicht zu dem, was man vorgibt zu sein.
Zuletzt geändert von bonito am Di 14. Mai 2019, 16:34, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von kritisch denken » Di 14. Mai 2019, 13:17

bonito hat geschrieben:
Di 14. Mai 2019, 08:34
Dadurch, dass man sich ein Scheinetiketh verpasst, wird man noch lange nicht zu dem, was man vorgibt zu sein.
Wieso Scheinetiketh? Ich finde, dass der Atheismus durchaus eine rein pseudowissenschaftliche und eigentlich sehr religiöse Position ist. Eine Existenz eines Gottes kann man weder beweisen, noch wiederlegen. Somit macht es ja gar keinen Sinn sich überhaupt mit dieser Frage zu beschäftigen. Aber wenn man die Behauptung aufstellt, dass Gott nicht existiert und alle von Menschen erschaffen wurden, dann ist das hald auch wieder genauso religiös wie zu behaupten, dass es einen gäbe!
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Re: Die Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich

Beitrag von bonito » Di 14. Mai 2019, 16:33

Es gibt keine belastbaren Belege für die bisher bekannten Götter, ergo könnte man folgern, dass es keine den Menschen bekannte Götter gibt.

Fall es den Menschen unbekannte Götter geben sollte, sind sie offensichtlich bisher irrelevant und diese halten es mit uns offensichtlich ebenso.

ps.: sorry für den Vertipper, sowas scheint dir ja wichtig zu sein.

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